Kontroverse Debatten am Tag des politischen Gesprächs

Fünf Monate vor der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz bot sich den Schülerinnen und Schülern unserer Schule erneut die Möglichkeit, mit politischen Entscheidungsträgerinnen und -trägern direkt ins Gespräch zu kommen. Ziel dieser Begegnungen war es, aktuelle politische Herausforderungen aus erster Hand zu diskutieren, eigene Fragen einzubringen und politische Prozesse vertieft zu verstehen. Die Riege der Politikerinnen und Politiker aus Land- und Kreistag war hochkarätig besetzt.

Die Leistungskurse Sozialkunde sowie die gesamte Jahrgangsstufe 13 bereiteten sich intensiv auf den Besuch hochrangiger Vertreterinnen und Vertreter des rheinland-pfälzischen Landtags vor. Philipp Fernis (Justizminister, FDP), Michael Simon (SPD), Dr. Helmut Martin (stellv. Fraktionsvorsitzender, CDU), Dr. Jan Bollinger (Fraktionsvorsitzender, AfD), Fabian Ehmann (Bündnis 90/Die Grünen) und Helge Schwab (Vorsitzender der parlamentarischen Geschäftsgruppe der Freien Wähler) diskutierten mit unseren MSS-Schülerinnen und -Schülern zu Beginn über jüngste Aussagen des Bundeskanzlers zum Thema Stadtbild und Migration. Die Abgeordneten der Regierungsfraktionen zeigten sich deutlich irritiert und kritisierten die Verknüpfung von Stadtentwicklung und Migrationsfragen als politisch verkürzt und potenziell diskriminierend.

In der weiterführenden Analyse stiegen die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit den Politikerinnen und Politikern tiefer in Fragen der Stadtentwicklung, der Sicherheitslage sowie der kommunalpolitischen Handlungsspielräume ein. Dabei wurde deutlich, dass strukturelle Faktoren – wie der wirtschaftliche Wandel, Wohnraummangel oder die finanzielle Ausstattung der Kommunen – erheblich stärker zur Veränderung der Innenstädte beitragen als migrationspolitische Aspekte.

Auch die Bewertung der Kriminalitätsentwicklung führte zu lebhaften Diskussionen: Während einige Akteure auf eine tendenziell verzerrte Wahrnehmung verwiesen, betonten andere die Bedeutung subjektiver Sicherheitsgefühle sowie die Herausforderungen einzelner städtischer Brennpunkte.

Die Leistungen der aktuellen Landesregierung wurden unterschiedlich eingeschätzt. In Bezug auf mögliche Koalitionskonstellationen für die Landtagswahl 2025 äußerten sich die Abgeordneten bewusst zurückhaltend – mit Verweis auf den Respekt gegenüber dem Wählerwillen.

Zum Abschluss richteten die Schülerinnen und Schüler den Blick auf Ungleichheiten zwischen urbanen und ländlichen Räumen. Angesprochen wurden insbesondere Defizite in der Infrastruktur, begrenzte Partizipationsmöglichkeiten junger Menschen sowie die Frage gleichwertiger Lebensverhältnisse. Die Politikvertreter verwiesen ihrerseits auf die hohe Lebensqualität vieler Gemeinden im Kreis Bad Kreuznach, betonten aber zugleich den Reformbedarf.

Die Moderation übernahmen Amada Schilling und Sophie Kurz, die mit großem Fachwissen und souveränem Auftreten durch die Diskussion führten.

Parallel dazu erhielten die Schülerinnen und Schüler unseres Jahrgangs 10 die Gelegenheit, mit mit Mitgliedern des Kreistags über kommunalpolitische Themen zu diskutieren. Michael Cyfka (Verbandsbürgermeister, CDU), Anke Denker (SPD), Linsay-Dean Eisenmann (FDP), Lars Medinger (Bündnis 90/Die Grünen) und Rainer Dhonau (BSW) stellten sich den Fragen aus dem Publikum. Besonders intensiv diskutierten die Klassen die weiterhin bestehenden Herausforderungen im Bereich der Schülerbeförderung. Trotz bereits spürbarer Verbesserungen kommt es vereinzelt noch zu Verspätungen, fehlenden Busverbindungen oder Problemen beim Anfahren einzelner Haltestellen. Die Schülerinnen und Schüler formulierten zudem den Wunsch nach häufigeren und verlässlicheren Direktverbindungen nach Bad Kreuznach und Bingen. Die Offenheit der Kommunalpolitiker und die fundierten Fragen der Jugendlichen führten zu einem lebendigen Austausch, der sich – so die einhellige Rückmeldung – gerne noch länger hätte fortsetzen können.

Der diesjährige Tag des Politischen Gesprächs erwies sich erneut als ein voller Erfolg. Die Veranstaltung bot allen Beteiligten einen wertvollen Einblick in politische Entscheidungsprozesse, ermöglichte differenzierte Diskussionen und stärkte zugleich die politische Urteilsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler. Ein wichtiger Beitrag zur politischen Bildung – und ein Zeichen dafür, wie lebendig Demokratie an unserer Schule vermittelt wird.

Autor: Volker Rith