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Unser Flug sollte eigentlich um 17:10 Uhr von Frankfurt/ Hahn nach Katowice gehen, aber schließlich hieß es 18:25 Uhr. Gemeinsam saßen wir auf dem Boden des Departure- Gebäudes und warteten auf unser hoffentlich bald eintreffendes Flugzeug. Als es dann endlich losging verspürten alle, vor allem diejenigen von uns die zum ersten Mal flogen, ein Kribbeln im Bauch und die Vorfreude stieg.



Nach gar nicht all zu langer Zeit im pinken Wizz-Air Flieger gingen wir in den Sinkflug über. Doch alles was wir sahen waren viele Regenwolken, Wälder und Orte die aus nur einer Straße bestanden. Endlich gelandet eilten die weiblichen Wesen der Gruppe also 13 von 15 erst einmal gemeinschaftlich zur Toilette. Nachdem jeder sein Gepäckstück wieder hatte trafen wir auf zwei polnische Lehrer, die uns begrüßten und uns zu dem kleinen Bus führten. Sie erwiesen sich sofort als sehr freundlich uns hilfsbereit. Nun hatten wir also zwei Stunden Busfahrt vor uns, die ersten Kekspackungen waren schon leer, und jeder war gespannt was uns erwartet. Schließlich kamen wir mir dem Bus vor dem Schwimmbad von Opoczno an und jeder wurde von seiner Gastfamilie empfangen. Wie unterschiedlich sie auch waren eines hatten alle gemein, sie waren sehr sehr nett. "Zu Hause" gab es noch eine Stärkung und dann konnten wir alle den lang ersehnten Schlaf genießen. Am nächsten Morgen zeigten sich unsere Austauschfamilien nicht weniger gastfreundschaftlich als bereits am Abend zuvor. Wir wurden komplett versorgt und kein Wunsch blieb unerfüllt.



Um 8:30 Uhr trafen wir vor dem Schulgebäude aufeinander und natürlich tauschten wir unsere ersten Eindrücke sofort miteinander aus. Die Schule hatte an diesem Tag ein Sportfest veranstaltet und wir wurden Zeugen eines zweistündigen Gymnastik- Marathons. Wer wollte durfte mitmachen und tatsächlich erklärten sich einige bereit einen Versuch zu starten.
Wir waren alle von der Organisation dieses Festes sehr beeindruckt. Sogar der Bürgermeister hielt ein kleine Ansprache und mit toller Musik machte das Zuschauen noch mehr Spaß.



Wir bekamen die Schule gezeigt, die wie uns gesagt wurde schon sehr alt sei, aber dennoch sehr liebevoll gestaltet war. Überall konnte man viel Fleiß erkennen. Beispielsweise sahen hier einfache Plakate aus wie Kunstwerke. Einer der polnischen Austauschschüler, der sehr gut Deutsch beherrschte, ging mit uns zu einer Wechselstube sodass wir unseren
Euro in Zloty umtauschen konnten. Anschließend besuchten wir das Kreisoberhaupt, welcher uns sehr förmlich im Verwaltungsgebäude begrüßte. Wir sahen eine
Bildpräsentation über Opoczno, bekamen Kuchen und Obst sowie eine Geschenktüte.



Nun teilte sich die Gruppe wieder, denn die meisten Eltern hatten bereits Mittagessen vorbereitet. Und schon kurz darauf trafen wir uns mit allen Gastfamilien auf einem Grillplatz im Wald. Gemeinsam wurde gegrillt und gesungen und wir lernten die Gasteltern der anderen Schüler kennen. Die nächsten Tage in Opoczno waren nicht weniger interessant. Wir besuchten den Bürgermeister, besichtigten eine Kirche, bekamen im Kindergarten die polnische Volkskunst vorgeführt, gingen schwimmen, lernten gemeinsam polnische Volkslieder
und Gedichte, bekamen viele Geschenke und viel zu viel zum essen. Auch die Abende waren sehr schön, denn wir saßen immer mit der gesamten Gruppe beisammen. Wir lernten einige Freunde unserer Austauschpartner kennen und stellten schnell fest, dass wir innerhalb der kurzen Zeit schon gute Freunde geworden sind. Wir konnten über dieselben Themen diskutieren und ebenso über dieselben Scherze lachen.



Am 5.6.2009 hieß es dann um 5:30 Uhr aufstehen denn um 7 Uhr sollte der Bus abfahren. Wir besichtigten Auschwitz und Birkenau und waren alle von den Eindrücken die wir dort erhielten sehr ergriffen. Die Vorstellung der Grausamkeit die vor noch gar nicht all zu langer Zeit an diesen Orten alltäglich war, war erschütternd. In der Gesprächsrunde die wir
deutschen Schüler nach diesem Besuch hatten, sammelten wir alle unsere Eindrücke und kamen zu dem Ergebnis, dass dieser Besuch für jeden von uns sehr lehrreich war.
Am 6.6.2009 waren wir in Zakopane, die Nacht hatten wir in einer Herberge verbracht. Am Morgen offenbarte sich die wunderschöne Landschaft unseren Augen. Wir konnten auf schneebedeckte Berge blicken, Kühe und Schafe trotteten über die Weiden und das Wetter ließ uns nicht im Stich. Und wieder zeigten uns die Polen ihr hohes Maß an Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft, als sie eine unserer Schülerinnen ins Krankenhaus fuhren, da sie an Asthma litt. Wir hatten Zeit durch die Straßen von Zakopane zu schlendern und die ein oder anderen Mitbringsel für unsere Familien und Freunde zu kaufen. Anschließend führen wir mit einer Bergbahn auf eine höher gelegene Ebene, gingen dort spazieren und fuhren mit Zweiergondeln wieder bergab. Die Aussicht, die sich uns bot war atemberaubend. Wir konnten die gesamte Bergwelt und die Täler unter uns erblicken.



Die verbleibenden Tage wurden immer weniger und es wollte niemand einen Gedanken an die Heimreise verschwenden. An unserem vorletzten Tag machten wir eine 18 km lange Floßtour und fanden uns am Ende in der Slowakei wieder. Abgerundet wurde unser letzter Abend durch das gemeinsame Grillen in einer kleinen Berghütte neben unserer Herberge. Den Abend verbrachten die Schüler miteinander und wieder stellten wir fest, dass wir in dieser Woche sehr gute Freunde geworden sind. Heimweh kannten die meisten von uns nicht und traurig blickten wir dem nächsten Tag entgegen. Halb verschlafen schafften es die meisten von uns doch noch rechtzeitig zum Frühstück. Für jeden von uns lagen Brötchen
bereit, die wir uns für den Tag belegen sollten. Und schon um 7 Uhr waren alle Koffer im Bus verstaut und die Gruppe zur Abfahrt bereit. Wir fuhren nach Krakau und besichtigten diese wunderschöne Stadt in einer, leider sehr hastigen, Stadtführung da uns nicht mehr viel Zeit blieb. Gerne hätten wir an einigen Orten länger verweilt und die Shoppingstraßen
genutzt, doch die Zeit drängte.



So ging es also weiter zum Flughafen nach Katowice. Unser Gepäck wurde aufgegeben und es wurde Zeit sich zu verabschieden. Doch niemand beeilte sich denn keiner wollte so schnell nach Hause. Einige Abschiedstränen flossen und nach langen Umarmungen mussten wir uns schließlich von der polnischen Gruppe ganz verabschieden. Doch da wir wussten, es ist noch kein Abschied für immer, konnten wir mit der Hoffnung alle schon bald wieder zu sehen zu unserem Flugzeug aufbrechen. Schließlich saßen wir im Flieger und konnten von der vergangenen Woche nur positive Eindrücke festhalten. Viele haben sich als Ziel gesetzt erneut nach Polen zu fahren und den Vorurteilen, die es in Deutschland gegenüber diesem Land gibt, ein für alle mal ein Ende zu bereiten, denn kein Einziges zeigte sich als wahr.



Nun sind wir schon einige Tage zu Hause und unser Alltag hat uns wieder eingeholt. Egal welchem Schüler ich aus der Austauschgruppe begegne jeder begrüßt mich mit den Worten: "Ich will zurück nach Polen!"
Text: Anna G.